Wesensbeurteilung in der OG Groß-Bieberau

ein Bericht von Heiko Scheurer
Am 08.06.17 fand in der Ortsgruppe Groß-Bieberau die erste Wesensbeurteilung der Landesgruppe Hessen-Süd statt.

Die vielen helfenden Hände um den 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe Horst Weiß und Prüfungsleiter Stefan Kopp bereiteten den Parcours entsprechend den Vorgaben des SV’s vor. Jedes Detail wurde präzise und professionell aufgebaut. Alle Rahmenbedingungen wurden durch ein großes Zelt und zahlreiche Sitzmöglichkeiten geschaffen. Für die Verpflegung stand ein weiteres Grillzelt zur Verfügung.

Bereits am Vortag traf sich der Wesensbeurteiler Reiner Beitel und sein Team, um den Parcours mit entsprechenden „Probehunden“ zu begehen, mit dem Ziel „zerrissene Hosen“ am Tag der Wesensprüfung zu vermeiden.

Die bereitgestellten Hunde der Ortsgruppe meisterten den Probelauf auf Anhieb, sodass wir enthusiastisch den 11 gemeldeten Hunden am Samstag entgegenblicken konnten.

Am 08.06.17 traf man sich schon zu früher Stunde, um noch letzte Vorbereitungen treffen zu können.

Eingehend begrüßte der 1. Vorsitzenden Horst Weiß die angereisten Hundeführer und den Wesensbeurteiler Reiner Beitel. Nach einer treffenden Begrüßung übergab er das Wort an Reiner Beitel. Dieser stellte sich vor und begrüßte alle Hundeführer und Gäste. Ebenfalls stellte er seine beiden „Stewards“ Daniel Stein und Heiko Scheurer vor, welche im Ablauf des Parcours den Wesensbeurteiler und die Hundeführer unterstützten. Gegen 8:30 Uhr wurde pünktlich begonnen.

Das erste Team stellte sich ausführlich mit Alters- und Haltungsangaben des Hundes vor.

Zunächst wurde der Zustand des Hundes bewertet: Äußeres Erscheinungsbild, Qualität des Felles, Fitness- und Gesamtzustand des Hundes.

Darauffolgend wurden die Zähne des Hundes kontrolliert. Der Zustand und die Vollzähligkeit wurden bewertet. Nun konnte mit der ID-Kontrolle und der Messung fortgefahren werden.

Nach Feststellung der Chipnummer und Maße, musste sich der Hundeführer mit seinem Hund frei und unangeleint auf dem Platz bewegen, damit die Bindung zwischen den beiden beurteilt werden konnte. Eine Gruppe musste durchlaufen werden und auch ein Abrufen durch die geschlossene Gruppe musste gemeistert werden.

Im Anschluss wurde der Hund wieder angeleint, um sich einer Übung bezüglich der Lärmempfindlichkeit zu stellen. Dies wurde mittels einer Motorsäge getestet. Einer der „Stewards“ startete das Forstgerät und umkreiste eineinhalbmal den Hund und Hundeführer in einem Radius von 2m. Dabei ließ er den Motor mehrmals bis an die Drehzahlgrenze aufheulen.

Nach anfänglichen Bedenken gegenüber dieser Übung, muss man sagen, dass jeder Hund, einerlei ob Hochzucht oder Leistungszucht, ob 16 Monate oder 45 Monate alt, diese Übung mit einer beeindruckenden Souveränität meisterte. Somit kann man jegliche Sorge gegenüber dieser Übung als gegenstandslos betrachten.

Es folgten noch zwei weitere Übungen im Bereich Lärmempfindlichkeit: eine fallende Kette und eine Schussempfindlichkeitsprüfung. Auch hier muss man sagen, dass kaum ein Hund reagierte.

Nun kam man zu den Geschicklichkeitsprüfungen, um den Bewegungsapparat des Hundes zu prüfen. Zu Beginn sollte der Hund auf dem sogenannten „Wackeltisch“ balancieren, während der Prüfer abrupt die Wippe betätigte. Danach wurde geprüft, wie sich der Hund unter einem Triebziel auf dem „Wackeltisch“ verhält, deshalb spielte der Hundeführer mit seinem Hund.

 

 

Bei der nächsten Übung wurde eine Reihe von Tischen in einem vorgegebenen Maß, mit Winkel und einem Abstand von 20cm zwischen den letzten Tischen aufgestellt.

Der Hund musste ohne Hilfe dieses Hindernis erklimmen und auf den Tischen umherlaufen. Dabei wurden die Geschicklichkeit und der Mut, mittels des oben beschriebenen Abstandes, geprüft.

 

 

Dann kamen wir zu den Triebübungen. Bei diesen Übungen wird der Spieltrieb des Hundes geprüft, einerseits mit dem eigenen Hundeführer und andererseits mit dem jeweiligen „Steward“. Beachtet werden hierbei die Spielbereitschaft und der anhaltende Trieb, auf die Länge des Spieles gesehen.

 

Die letzte Übung im Außenbereich nennt sich „Finderwille“. Der Hund wird vom „Steward“ festgehalten. Der Hundeführer bewegt sich, unter Beutebewegung, mit einem von ihm gestellten Spielzeug auf einen Korb zu. Unter diesem Korb wird das Spielzeug versteckt. Jetzt übernimmt der Hundeführer seinen Hund und gibt diesen frei, um das Spielzeug unter dem Korb zu finden. Im Laufe des Tages gab es etliche Lösungen diese Aufgabe zu lösen. Der Korb wurde mit der Schnauze oder der Pfote aufgedeckt. Doch hier mussten wir vermehrt feststellen, dass einige Hunde keine passende Idee hatten, um an das bereitgelegte Spielzeug zu kommen.

Weiter ging es dann im Vereinsheim. Dort wurden, etwas komprimiert, alle Übungen aus dem Außenbereich wiederholt. Wie verhält sich der Hund frei im Raum? Wie stark ist sein Meutetrieb? Wie folgt er abgeleint seinem Hundeführer? Während dieser Übung ließ man eine Blechschüssel, aus Hüfthöhe, auf den Boden fallen, um zu prüfen, wie schreckhaft das Tier reagiert und wie er dann mit dem fallengelassenen Gegenstand umgeht.

Nun übergab der Steward das Spielzeug des Hundes dem Hundeführer, der dann mit seinem Hund, auf glattem Boden spielte. Hier war ebenfalls zu bewerten, wie sich der Hund auf glattem Boden verhält, wie er seinen Bewegungsapparat einsetzt und wie stark sein Beutetrieb ausfällt. Im Anschluss warf der Besitzer das Spielzeug unter einen Tisch, wo das schnelle Aufgreifen auf dem glatten Boden zu prüfen war.

Jetzt übergab der Hundeführer das Spielzeug dem „Steward“, der dann den Hund anspielte, um dann das Spielzeug an einem dafür vorgesehenen Ort zu verstecken. Der Hundeführer gab seinen Hund frei, um das versteckte Spielzeug zu finden. Alle Hunde fanden ihr Spielzeug. Der eine oder andere zwar etwas verzögert aber dann doch sicher. Im Bereich des Vereinsheimes gab es keine großen Ausfälle zu verzeichnen. Jeder Hund meisterte auf seine Weise die ihm gestellten Aufgaben.

Die Vereinsamung: Die letzte und auch hinsichtlich der gesehenen Hunde, die schwerste Übung, die diese Wesensbeurteilung beinhaltet. Hierbei wird der Hund an einen ca. 500m entfernten Ort, fernab von Zuschauern und Hundeführern, an einem Punkt angeleint und alleine gelassen. Lediglich der Beurteiler und die Stewards waren in mittelbarer Nähe, um die Übung, die bis zu zehn Minuten dauerte, zu beobachten.

Hierbei konnte man überwiegend Stress, Verunsicherung und Ersatzverhalten der Hunde beobachten. Nur vereinzelte Hunde konnten mit einer gewissen Coolness überzeugen und zeigten diese, indem sie z.B. an dem Pfahl, an dem sie angeleint waren, „das Beinchen hoben“.

Nach Ablauf der zehn Minuten durfte der Hundeführer sein Tier wieder abholen und man begab sich gemeinsam zur Beurteilung der Hunde.

Wesensbeurteiler Reiner Beitel bewertete die Hunde fair und geradlinig. Er traf immer die passenden Worte, um den jeweiligen Hund im Gesamtbild zu bewerten. Festzustellen war, dass jede Bewertung auf ihre Weise positiv ausfiel, sodass kein Hundeführer und auch Hund, mit einem schlechten Gefühl vom Platz ging.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass eine Wesensbeurteilung keinesfalls „Blödsinn“ ist, wie man vermehrt unter Hundeführern an verschiedensten Orten doch mal zu Ohren bekommt. Man kann tatsächlich das reine Wesen des Hundes beurteilen, keine Dressur und kein erlerntes Verhalten kann hier die Bewertung blenden. Denn erst hier wird wahre Wesensstärke aufgedeckt und festgestellt.

Es war ein langer und anstrengender Tag, der einem alles abverlangte, sei es Beurteiler, „Steward“ oder Hundeführer samt Hund. Doch muss man sagen, dass es allen Beteiligten Spaß gemacht hatte und man klar erkennen konnte, wie das Bewertungsteam auf dem Platz harmonierte.

Einen großen Dank an die Ortsgruppe, die alles Erdenkliche getan hat, um alle Wünsche zu erfüllen.

Ich freue mich schon auf die nächste Wesensbeurteilung

Mit sportlichem Gruß,

Heiko Scheurer

 

 

Wesensbeurteilung Juli 2017

Fotos von Stefan Kopp und Daniela Heupt